Wie viel Weide braucht ein Pferd?
Eine amtliche Zahl in Hektar je Pferd gibt es nicht. Die BMEL-Leitlinien zur Pferdehaltung (2009) nennen nur einen Mindestauslauf, und die oft zitierte Faustzahl „0,5–1 ha je Pferd“ findet sich in keiner Primärquelle. Der Rechner vergleicht deshalb, wie viel Gras deine Pferde in der Weidesaison fressen, mit dem, was deine Weide liefert.
So rechnet der Weideflächen-Rechner
- Tagesbedarf: Körpergewicht × 2 % ergibt die Trockensubstanz (TS), die ein Pferd bei Vollweide frisst. Bei 600 kg sind das 12 kg TS am Tag.
- Stundenweide: Bei wenigen Stunden draußen zählt nur ein Teil davon.
- Saisonbedarf: Tagesbedarf × Weidetage.
- Fläche: Saisonbedarf ÷ fressbarer Ertrag je Hektar, also Jahresertrag ÷ (1 + Zuschlag für Weidereste und Geilstellen).
Beispiel: Ein Pferd mit 600 kg frisst in 180 Tagen 2.160 kg TS. Für eine extensiv genutzte Weide rechnet der Rechner mit 65 dt TS je Hektar und Jahr, also 6.500 kg. Nach 25 % Zuschlag bleiben 6.500 ÷ 1,25 = 5.200 kg, die tatsächlich gefressen werden. 2.160 ÷ 5.200 = 0,415, aufgerundet 0,42 ha oder 4.154 m².
Mit deiner Weidefläche zeigt der Rechner zusätzlich den Deckungsgrad und die nötige Zufütterung (Heu mit 88 % TS). Im Modus „Wie viele Pferde?“ teilt er das Futterangebot durch den Saisonbedarf eines Pferdes und rundet ab.
Warum 3 Stunden Weide nicht ein Achtel sind
Pferde mit begrenzter Weidezeit fressen schneller. Laut einer Übersichtsarbeit (Longland 2021) nahmen Tiere mit 3, 6 und 9 Stunden Weidezugang 43, 69 und 74 % der Menge auf, die Ponys mit 24 Stunden fraßen. Dazwischen interpoliert der Rechner linear. Ob das für Großpferde gilt, ist offen. Für die Planung liegt der höhere Wert auf der sicheren Seite.
| Weidezeit | Studienwerte | proportional |
|---|---|---|
| 1 h | 14 % | 4 % |
| 2 h | 29 % | 8 % |
| 3 h | 43 % | 13 % |
| 4 h | 52 % | 17 % |
| 6 h | 69 % | 25 % |
| 8 h | 72 % | 33 % |
| 9 h | 74 % | 38 % |
| 12 h | 79 % | 50 % |
| 24 h | 100 % | 100 % |
Welcher Ertrag passt zu deiner Weide?
Die Stufen 65, 78 und 90 dt TS je Hektar und Jahr stammen aus einer Düngebedarfstabelle des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg (LAZBW) und setzen eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung voraus. Ungedüngte, magere, trockene oder übernutzte Pferdeweiden bringen oft weniger, ein älteres Faltblatt mehrerer Landesanstalten führt etwa eine Stufe von 40 dt. Der Zuschlag von 25 % lehnt sich an die Weidereste von 20–40 % laut LAZBW an.
Wie viel Hektar braucht ein Pferd? Rechenbeispiele
Die Tabelle zeigt, was der Rechner bei Vollweide über 180 Tage ausgibt (2 % Futteraufnahme, 25 % Zuschlag). Es sind Rechenbeispiele, keine Quellwerte.
| Gewicht | extensiv65 dt | mittel78 dt | intensiv90 dt |
|---|---|---|---|
| 200 kg | 0,14 | 0,12 | 0,10 |
| 350 kg | 0,25 | 0,21 | 0,18 |
| 500 kg | 0,35 | 0,29 | 0,25 |
| 600 kg | 0,42 | 0,35 | 0,30 |
| 750 kg | 0,52 | 0,44 | 0,38 |
Das ist reine Futterfläche für die Weidesaison, ohne Winterfutter, Bewegungsraum und Puffer für Trockenjahre. Ein Faltblatt mehrerer Landesanstalten (Stand 1999) nennt als Koppelgröße 1,3 ha je Pferd, für Kleinpferde 0,8 ha, ohne die Zahl zu begründen. Das Heu für den Winter rechnet der Heubedarf-Rechner.
Wie viele Pferde passen auf einen Hektar?
Wie viele Pferde pro Hektar möglich sind, hängt vor allem vom Ertrag deiner Weide, vom Gewicht der Pferde und von der Weidezeit ab. Eine extensiv genutzte Weide liefert nach Abzug von 25 % Zuschlag rund 5.200 kg fressbares Futter je Hektar. Ein Pferd mit 600 kg frisst bei Vollweide in 180 Tagen 2.160 kg TS. Auf einen Hektar passen damit rechnerisch 2 Pferde, auf 2 ha 4 Pferde (4,8, abgerundet auf ganze Pferde). Winterfutter ist darin nicht enthalten. Für deine eigene Fläche wählst du oben im Rechner „Wie viele Pferde?“.
Koppelgröße und Koppelzahl für die Umtriebsweide
Das LAZBW empfiehlt höchstens 5–7 Tage je Koppel und danach 4–5 Wochen Ruhe, im Frühjahr etwa 25, im Sommer 35 und im Herbst 40 Tage. Daraus ergibt sich die Koppelzahl: Ruhezeit ÷ Tage pro Koppel, aufgerundet, plus 1. Bei 7 Tagen Besatz und 35 Tagen Ruhe sind das 6 Koppeln. Das LAZBW nennt mindestens 5, besser 8.
Die Koppelgröße ergibt sich aus dem stehenden Aufwuchs. Bei 25 cm Aufwuchshöhe stehen etwa 20 dt TS je Hektar, also 0,2 kg je m². Ein Pferd mit 12 kg TS braucht damit 60 m² am Tag, mit 25 % Weiderest 75 m². Das LAZBW-Merkblatt nennt für 600 kg nur 57 m², weil es mit 1,5–2,5 % Futteraufnahme rechnet.
| Aufwuchs | 200 kg | 400 kg | 600 kg | 800 kg |
|---|---|---|---|---|
| 15 cm10 dt · 20 % | 60 | 72 | 108 | 156 |
| 25 cm20 dt · 25 % | 32 | 38 | 57 | 82 |
| 35 cm30 dt · 30 % | 22 | 27 | 40 | 58 |
| 45 cm40 dt · 40 % | 18 | 22 | 32 | 47 |
Die Fläche für einen Umlauf reicht nur, solange das Gras in der Ruhezeit wieder die gewählte Höhe erreicht, also vor allem im wüchsigen Frühjahr. Plane deshalb mit dem größeren Wert aus Saison- und Umlauffläche und mähe den Frühjahrsüberschuss.
Bei der Portionsweide bekommt die Herde täglich eine neue Portion, aus der Streifenbreite ergibt sich, wie weit du den Zaun versetzt. Wegen des Bewegungsdrangs passt sie laut LAZBW nur zu Pferden, die sich sonst viel bewegen können, etwa im Offen-, Lauf- oder Aktivstall.
Wie misst du Weidefläche und Aufwuchshöhe?
Bei einer rechteckigen Koppel rechnest du Länge × Breite in Metern ÷ 10.000 = Hektar. Unregelmäßige Flächen zerlegst du in Rechtecke und Dreiecke (Grundseite × Höhe ÷ 2) oder misst sie mit einem Kartendienst oder anhand der Flurkarte. Zieh Unterstand, Tränkeplatz und Matschbereiche ab.
Die Aufwuchshöhe misst du mit dem Zollstock an vielen Stellen im Zickzack über die Koppel, und zwar die Höhe des Grasbestands, nicht einzelner Halme. Lass Geilstellen aus und runde den Mittelwert auf 15, 25, 35 oder 45 cm.
Wie viele Großvieheinheiten ist ein Pferd?
Die Düngeverordnung rechnet mit Großvieheinheiten (GV), 1 GV entspricht 500 kg Lebendmasse. Die Öko-Regelung 4 der Direktzahlungen setzt im Betrieb durchschnittlich 0,3–1,4 Raufutter-Großvieheinheiten (RGV) je Hektar förderfähigem Dauergrünland voraus, die Wiesen für das Winterfutter eingeschlossen. Einen belegten Zielwert für Pferdeweiden gibt es nicht, der Rechner zeigt GV und RGV nur zur Information. Ob dein Pferd schon 3 Jahre alt ist und damit 1,1 GV zählt, zeigt dir der Pferdealter-Rechner aus Geburtsdatum oder Jahrgang.
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Ponys und KleinpferdeDüngeverordnung | 0,7 GV |
| Pferde unter 3 JahrenDüngeverordnung | 0,7 GV |
| Pferde ab 3 JahrenDüngeverordnung | 1,1 GV |
| Equiden über 6 MonateGAPDZV, Öko-Regelung 4 | 1,0 RGV |
Auslauf und Zaun: Was sagen die BMEL-Leitlinien?
Ist die Weide gesperrt, brauchen deine Pferde einen Auslauf: bis 2 Pferde mindestens 150 m², für jedes weitere 40 m² mehr, bei 4 Pferden also 230 m². Bei ganzjähriger oder längerer ganztägiger Weide ist ein Witterungsschutz nötig, der alle Tiere gleichzeitig schützt. Für den Außenzaun nennen die Leitlinien als Richtwert 0,75 × Widerristhöhe über Grund, bei 165 cm Stockmaß also 124 cm, und je nach Risiko mindestens 2–4 Querabgrenzungen. Stacheldraht oder Knotengitter als alleinige Einzäunung sind tierschutzwidrig. Mehr dazu im Boxengrößen-Rechner und im Stockmaß-Umrechner.
Praxistipps für die Weidesaison
- Nachmähen und mit Rindern weiden: Eine Nachmahd bei Bedarf spätestens 5 Tage nach dem Abtrieb (Schnitthöhe 5–8 cm) beseitigt Weidereste und Geilstellen. Mischbeweidung mit Rindern verringert Geilstellen und den Infektionsdruck durch Endoparasiten.
- Wurmbelastung senken: Kot absammeln und Koppeln wechseln, Jungtiere getrennt von älteren Pferden und im Frühjahr auf „saubere“ Weiden (Neuansaat oder im Vorjahr nicht mit Pferden beweidet). Mist nur gut verrottet und vorzugsweise im Herbst ausbringen, kein Weidegang auf taunassem Gras. Entwurmung und, bei Lungenwurmbefall, eine Weidesperre stimmst du mit dem Tierarzt ab.
- Fruktan beachten: Bei viel Sonne und wenig Wachstum durch Kälte reichert sich Fruktan an, besonders in kurz abgefressenen Pflanzen. Deutsches und Welsches Weidelgras können viel davon enthalten, Wiesenrispe, Wiesenlieschgras, Knaulgras, Rohr- und Wiesenschwingel bilden weniger.
- Weidezeit allein bremst wenig: Fressbremsen senkten die Aufnahme in Studien um 30–80 %. Den Körperzustand deines Pferdes prüfst du mit dem Body Condition Score.
- Anweiden und kontrollieren: Pferde decken ihren Bedarf aus Weidefutter erst nach einer ordnungsgemäßen Übergangsfütterung. Achte auf Giftpflanzen wie Eibe, Adlerfarn, Hahnenfuß und Greiskraut, zäun Gewässer aus und prüf die Tränken regelmäßig.
Wo liegen die Grenzen des Rechners?
Der Ertrag schwankt mit Standort, Niederschlag, Düngung und Pflanzenbestand und kann in Trockenjahren weit unter dem gewählten Niveau liegen. Im Frühsommer wächst viel, im Sommer und Herbst wenig: Halte die Standweide im Frühjahr kleiner und vergrößere sie später. Der Rechner nimmt an, dass der ganze Jahresertrag beweidet wird. Bei kurzer Saison, etwa nur im Sommer, ist das zu optimistisch.
Saugfohlen, laktierende Stuten, Deckhengste und Pferde in Arbeit brauchen Zufutter, für sie ist die Rechnung nur grob. Die Gesamtration rechnet der Futterrechner. Für Düngung, Förderanträge oder Baugenehmigungen sind Landwirtschaftsamt, Landwirtschaftskammer oder Bauamt zuständig. Eigene Vorgaben aus Österreich und der Schweiz bildet der Rechner nicht ab.
Bei Verdacht auf Hufrehe oder Kolik rufst du sofort den Tierarzt. Weidezeit und Weideart rehegefährdeter oder übergewichtiger Pferde legst du mit Tierarzt oder Fütterungsberatung fest.