Wie viel Heu braucht ein Pferd pro Tag?
Mindestens 1,5 kg Trockensubstanz (TS) aus Raufutter je 100 kg Körpergewicht. Bei Heu mit 88 % TS sind das rund 1,7 kg Heu je 100 kg, für ein Pferd mit 500 kg also etwa 8,5 kg am Tag. Bei Heulage mit 75 % TS sind es etwa 2 kg je 100 kg. Dazu kommt, was beim Füttern verloren geht.
Diese Menge ist eine Untergrenze, kein Planungswert. In einer US-Studie fraßen Pferde mit freiem Zugang zu Rundballen in Raufen geschätzt 2,0–2,4 kg TS je 100 kg Körpergewicht. Bietest du Heu zur freien Verfügung an, statt es abzuwiegen, plane deshalb mit mehr: Im Rechner wählst du dafür 2,0 oder 2,4.
Wie viel Heu braucht ein Pony?
Die Mindestmenge gilt je 100 kg Körpergewicht, auch für Ponys. Ein Pony mit 250 kg braucht also mindestens 3,75 kg TS. Bei Heu mit 88 % TS sind das rund 4,3 kg am Tag, dazu kommen die Verluste. Achte bei Ponys und Robustpferden auf Gewicht und Body Condition Score.
Warum die Faustregel „1,5 kg Heu“ nicht reicht
Oft liest man, ein Pferd brauche 1,5–2 kg Heu je 100 kg Körpergewicht. Die Mindestmenge bezieht sich aber auf Trockensubstanz, nicht auf Heu, wie es geliefert wird. 1,5 kg Heu mit 88 % TS enthalten nur 1,32 kg TS und liegen damit unter der Mindestmenge. 2 kg Heu liefern 1,76 kg TS.
Was sagen die BMEL-Leitlinien?
Die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten nennen keine Menge in Kilogramm. Sie verlangen, dass rohfaserreiches Futter wie Heu ständig angeboten wird oder insgesamt mindestens 12 Stunden am Tag, mit Fresspausen von möglichst nicht mehr als 4 Stunden. Die Mindestmenge in Kilogramm stammt aus der Fütterungswissenschaft: Sie wird nach den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) von 2014 zitiert und steht auch im Positionspapier Raufutter der Universität Leipzig.
So rechnet der Heubedarf-Rechner
Der Rechner geht von der Trockensubstanz aus. Nur so lassen sich Heu und Heulage vergleichen: Heulage enthält mehr Wasser, 1 kg Heulage liefert also weniger Futter als 1 kg Heu.
- Trockensubstanz pro Tag = Körpergewicht ÷ 100 × kg TS je 100 kg.
- Verzehr = Trockensubstanz ÷ TS-Gehalt. Das ist die Menge Heu oder Heulage, wie sie geliefert wird.
- Vorlegen = Verzehr ÷ (1 − Verlust). So viel musst du füttern und kaufen.
- Jahresbedarf = Stallmonate mit voller Menge plus Weidemonate mit verringerter Menge, auf Wunsch mit Reserve.
- Ballen = Jahresbedarf ÷ Ballengewicht, aufgerundet. Daraus folgen Lagerplatz und Kosten.
Ein Beispiel: Ein Pferd mit 600 kg bekommt die Mindestmenge von 1,5 kg TS, Heu mit 88 % TS aus einer Raufe mit Abdeckung (11 % Verlust), keine Weide. 600 ÷ 100 × 1,5 ergibt 9 kg TS. Geteilt durch 0,88 sind das 10,2 kg Heu, die das Pferd frisst. Geteilt durch 0,89 legst du 11,5 kg am Tag vor. Im Jahr sind das 4.194 kg oder 4,19 t, also 280 Kleinballen à 15 kg. Gestapelt brauchen sie rund 50,5 m³. Bei 14,30 € je Doppelzentner kostet das Heu etwa 600 € im Jahr.
Für mehrere Pferde trägst du jedes mit seinem Gewicht ein. Die Kosten verteilt der Rechner nach dem TS-Bedarf: Ein Pony mit 180 kg trägt so weniger als ein Pferd mit 600 kg. Die Heukosten kannst du in den Pferdekosten-Rechner übernehmen.
Wie viel Heu braucht ein Pferd im Jahr und im Winter?
Ohne Weide braucht das Pferd aus dem Beispiel rund 4,2 t Heu im Jahr, das sind gut fünf Kleinballen à 15 kg pro Woche. Mit 2,0 kg TS je 100 kg sind es rund 5,6 t. Weidegang senkt den Jahresbedarf, nicht aber den Bedarf im Winter: In den Monaten ohne Weide legst du die volle Tagesmenge vor. Steht dasselbe Pferd mit 2,0 kg TS sechs Monate lang 8 Stunden am Tag auf der Weide, braucht es in der Stallsaison 2.796 kg und im Jahr 4.660 kg Heu, also 13 Rundballen mit Ø 1,60 × 1,20 m.
Die Weide rechnet der Rechner vereinfacht: Bei 8 von 24 Stunden Weide rechnet er an diesen Tagen mit einem Drittel weniger Heu. Belegte Werte je Weidestunde fehlen, denn die Aufnahme hängt von Aufwuchs, Jahreszeit, Rasse und Besatz ab. Die nötige Fläche zeigt der Weideflächen-Rechner. Für Frost, Schnee oder ein Trockenjahr schlägst du eine selbst gewählte Reserve auf.
Mindestmenge in Heu und Heulage umgerechnet
Je weniger Trockensubstanz das Raufutter hat, desto mehr Kilogramm braucht dein Pferd. Den TS-Gehalt findest du in der Futteranalyse oder auf dem Lieferschein.
| TS-Gehalt | je 100 kg | bei 500 kg |
|---|---|---|
| 88 % (Heu) | 1,70 kg | 8,5 kg |
| 85 % | 1,76 kg | 8,8 kg |
| 75 % | 2,00 kg | 10,0 kg |
| 70 % | 2,14 kg | 10,7 kg |
| 65 % | 2,31 kg | 11,5 kg |
| 55 % | 2,73 kg | 13,6 kg |
Wie viel Heu geht beim Füttern verloren?
In einer US-Studie mit Rundballen in Gruppenhaltung auf einem Erdpaddock lagen die Verluste je nach Raufe zwischen 5 und 33 %, ohne Raufe bei 57 %. Weil der Rechner durch (1 − Verlust) teilt, legst du bei 57 % mehr als doppelt so viel vor, wie dein Pferd frisst. In der Studie hatten sich Raufen bei damaligen Heupreisen nach weniger als 1 bis 20 Monaten bezahlt gemacht.
| Raufe in der Studie | Verlust |
|---|---|
| Waste Less | 5 % |
| Cinch Net (Heunetz) | 6 % |
| Hayhut | 9 % |
| Covered Cradle | 11 % |
| Tombstone Saver | 13 % |
| Tombstone, Cone, Ring | 19 % |
| Hay Sleigh | 33 % |
| ohne Raufe | 57 % |
Auf Boxenhaltung mit Kleinballen lassen sich die Werte nur bedingt übertragen. Kennst du deinen Verlust, trag ihn als eigenen Wert ein.
Wie schwer ist ein Heuballen?
Das hängt von Format, Presse, Schnitt und Partie ab. Die Gewichte im Rechner sind Beispiele, dein gewogener Wert ist immer besser. Für Heulage gibt es keine belegten Werte: Sie ist wasserreicher und damit schwerer.
| Ballen und Maß | Gewicht |
|---|---|
| Rundballen HeuØ 0,90 × 1,20 m | 123 kg |
| Rundballen HeuØ 1,20 × 1,20 m (abgeleitet) | ca. 210 kg |
| Rundballen HeuØ 1,60 × 1,20 m | 370 kg |
| Quaderballen Heu2,00 × 1,20 × 0,90 m | 269 kg |
| Rundballen (USA)Ø 1,52 × 1,22 m | 399 kg |
| KleinballenPraxisbeispiel | 15 kg |
Den Lagerplatz rechnet der Rechner bei Kleinballen mit 83 kg Heu je m³. Rund- und Quaderballen stapelt er als Quader, einen Rundballen mit Ø 1,60 × 1,20 m also mit 1,6 × 1,6 × 1,2 = 3,07 m³. Das ist reines Stapelvolumen ohne Gänge.
So wiegst du deine Ballen
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Wiege das Fahrzeug leer und beladen, zum Beispiel auf der Fahrzeugwaage beim Landhandel. Die Differenz geteilt durch die Zahl der Ballen ergibt das Durchschnittsgewicht.
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Oder wiege mehrere typische Ballen einzeln. Kleinballen gehen mit einer Kofferwaage oder mit der Personenwaage: Du stellst dich einmal mit und einmal ohne Ballen darauf.
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Ballen derselben Fläche und derselben Presse sind meist ähnlich schwer. Wiege Ballen von verschiedenen Flächen und Schnitten getrennt.
Was kostet Heu?
Als Vorgabe nimmt der Rechner 14,30 € je Doppelzentner (100 kg). Das ist das Bundesmittel der Landwirtschaftskammern für Heu-Großballen im September 2026, der höchste Wert seit Juni 2019. Je nach Kammergebiet lagen die Notierungen zwischen 111 und 194 € je Tonne, also 11,10–19,40 € je Doppelzentner.
| Kammergebiet | € je dt |
|---|---|
| Bundesmittel | 14,30 € |
| Hessen | 19,40 € |
| Bayern | 19,10 € |
| Rheinland-Pfalz | 17,00 € |
| Nordrhein | 15,30 € |
| Thüringen | 14,80 € |
| Sachsen-Anhalt | 14,50 € |
| Westfalen | 14,00 € |
| Sachsen | 13,10 € |
| Niedersachsen-Ost | 12,80 € |
| Niedersachsen-West | 12,00 € |
| Mecklenburg-Vorpommern | 11,40 € |
| Brandenburg | 11,10 € |
Ob die Preise netto oder brutto und ab Hof gelten, geht aus der Quelle nicht hervor. Für Kleinballen, gelieferte Ware, Pferdeheu vom Händler und Heulage gibt es keine Notierung. Belegte Preise für Kleinballen in Deutschland gibt es nicht, Kleinanzeigen in Österreich nannten 3,50–4 € je Kleinballen. Trag deshalb am besten deinen eigenen Preis ein, je Doppelzentner oder je Ballen.
Praxistipps für die Fütterung
- Übernimm den TS-Gehalt aus einer Futteranalyse, besonders bei Heulage.
- Heunetze und Raufen senken Verluste. Engmaschige Heunetze, Sparraufen oder zeitgesteuerte Raufen helfen laut BMEL-Leitlinien außerdem, eine überhöhte Nährstoffaufnahme zu vermeiden.
- Raufutter darf ohne Raufe auf dem Boden vorgelegt werden, wenn die Hygiene stimmt. Dann sind die Verluste aber deutlich höher.
- Langstroh als Einstreu fressen Pferde mit. Es zählt als rohfaserreiches Futter, muss dann aber gute Qualität haben.
Wann der Rechner nicht reicht
Der Rechner plant Mengen und Einkauf. Er erstellt keine Ration und berechnet weder Energie noch Eiweiß oder Mineralstoffe. Fütterst du deutlich mehr als die Mindestmenge, musst du Energie und Eiweiß an die tatsächliche Aufnahme anpassen, etwa mit dem Futterrechner.
Nicht gedacht ist er für Fohlen und Pferde im Wachstum, hochtragende oder laktierende Stuten, Pferde mit Zahnproblemen, die kein Langheu fressen können, Pferde mit Stoffwechsel- oder Atemwegserkrankungen und Pferde auf Diät. Hier legen Tierarzt oder Fütterungsberatung die Ration fest. Eine so festgelegte Menge kannst du als eigene Ration je Pferd eintragen und damit den Einkauf planen.