So rechnet der Reitergewicht-Rechner
Der Rechner setzt die Gesamtlast auf dem Pferderücken ins Verhältnis zum Normalgewicht deines Pferdes. Zur Gesamtlast gehören du in Reitkleidung, Sattel mit Zubehör und Gepäck. So rechnen auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD).
Belastung in % = (dein Gewicht + Ausrüstung + Gepäck) ÷ Normalgewicht des Pferdes × 100
Ein Beispiel: Dein Pferd wiegt bei normaler Figur 550 kg, du in Reitkleidung 85 kg, Sattel und Zubehör wiegen 10 kg. Die Gesamtlast beträgt 95 kg, also 95 ÷ 550 × 100 = 17,27 %. Der Rechner zeigt 17,3 %, denn Prozentwerte rundet er auf und Höchstgewichte auf ganze Kilo ab – so fällt das Ergebnis nie zu günstig aus. Das liegt im Grenzbereich: Bist du wenig geübt, blieben dir bis zu deiner Obergrenze von 17,5 % noch 1,2 kg.
Bezugsgröße ist das Normalgewicht, nicht das aktuelle Gewicht. Ein zu dickes Pferd trägt nicht mehr, nur weil es mehr wiegt – laut VFD sind übergewichtige Pferde keine Gewichtsträger. Rechne dann mit dem Zielgewicht, am besten tierärztlich eingeschätzt. Das Gewicht schätzt du mit dem Pferdegewicht-Rechner, die Figur beurteilst du mit dem Body Condition Score.
Wie viel Gewicht darf ein Pferd tragen?
Einen wissenschaftlich gesicherten Grenzwert gibt es nicht. Die TVT nennt die Prozentmethode selbst „allenfalls eine sehr grobe Orientierung“. Sie ist aber die einzige Methode, auf die sich alle gefundenen Fachpapiere beziehen. Ob für euch eher die 15-%-Regel oder die 20-%-Regel passt, hängt nach VFD von deinem Pferd und deiner Reiterfahrung ab.
Der Rechner ordnet in vier Stufen ein. Die beiden oberen markiert er im Ergebnis rot, auf der Skala ist die dritte Stufe orange:
- Im Richtbereich, bis 15 %: Die TVT hält rund 15 % bei normal gewichtigen, trainierten Pferden für „realistisch und akzeptabel“.
- Grenzbereich, bis zu deiner Obergrenze: Der VFD nennt 20 % als Faustregel für die maximale Belastung, 17,5 % für Einsteigende, Gelegenheitsreitende und Reitende mit eingeschränkter Beweglichkeit oder Koordination. Die TVT hält 20 % nur unter optimalen Bedingungen für tolerierbar.
- Über dem Richtwert für eure Situation: über deiner Obergrenze, aber unter 25 %.
- Deutlich über allen Richtwerten, ab 25 %: Die TVT bewertet Belastungen von 25 oder gar 30 % als tierschutzwidrig.
Für junge, alte, untrainierte oder gesundheitlich beeinträchtigte Pferde empfiehlt der VFD höchstens 15 %, einen Grenzbereich gibt es dann nicht. Pferde gelten erst mit vier bis sechs Jahren, manche Rassen noch später, als physiologisch ausgewachsen (SVPS/STS). Wie alt dein Pferd genau ist und in welcher Lebensphase es steckt, zeigt der Pferdealter-Rechner. Der Rechner ordnet auch zu dicke oder zu dünne Pferde so ein, weil die Last für sie laut TVT niedriger liegen soll. Die Schweizer Empfehlung von SVPS und Schweizer Tierschutz STS bezieht 15 % dagegen nur auf dein Körpergewicht ohne Ausrüstung. Diesen Wert zeigt der Rechner getrennt an.
Maximale Gesamtlast nach Pferdegewicht
So viel Gesamtlast passt nach den Richtwerten zum Normalgewicht deines Pferdes. Davon geht noch das Gewicht von Sattel und Zubehör ab.
| Pferd | 15 % | 17,5 % | 20 % |
|---|---|---|---|
| 150 kg | 22 kg | 26 kg | 30 kg |
| 200 kg | 30 kg | 35 kg | 40 kg |
| 250 kg | 37 kg | 43 kg | 50 kg |
| 300 kg | 45 kg | 52 kg | 60 kg |
| 350 kg | 52 kg | 61 kg | 70 kg |
| 400 kg | 60 kg | 70 kg | 80 kg |
| 450 kg | 67 kg | 78 kg | 90 kg |
| 500 kg | 75 kg | 87 kg | 100 kg |
| 550 kg | 82 kg | 96 kg | 110 kg |
| 600 kg | 90 kg | 105 kg | 120 kg |
| 650 kg | 97 kg | 113 kg | 130 kg |
| 700 kg | 105 kg | 122 kg | 140 kg |
| 750 kg | 112 kg | 131 kg | 150 kg |
| 800 kg | 120 kg | 140 kg | 160 kg |
Pferd, Sattel und dich richtig wiegen
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Wiege dein Pferd am besten auf einer Großwaage, etwa bei einer landwirtschaftlichen Genossenschaft, oder mit einer mobilen Pferdewaage. Ohne Waage helfen ein Gewichtsmaßband oder die Formel im Pferdegewicht-Rechner – die TVT sieht darin nur eine sehr grobe, erste Orientierung.
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Wiege dich in Reitkleidung, mit Stiefeln, Helm und gegebenenfalls Sicherheitsweste.
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Stell dich danach mit dem Sattel samt Gurt, Steigbügeln, Riemen, Pad oder Schabracke und Vorderzeug auf die Waage. Die Differenz ist das Gewicht deiner Ausrüstung.
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Wiege für Wanderritte die gepackten Satteltaschen. Ein Liter Wasser wiegt etwa ein Kilogramm.
Den Röhrbeinumfang misst du am Vorderbein in der Mitte zwischen Vorderfußwurzelgelenk („Knie“) und Fesselgelenk. Stell dein Pferd gerade auf festen Boden, leg das Maßband straff an, ohne einzuschneiden, und lies auf 0,5 cm genau ab. Die Sehnen misst du mit.
Was sagen Studien zum Reitergewicht?
Die Studienlage ist dünn: wenige Pferde, kurze Tests, keine Langzeitdaten. Die Ergebnisse widersprechen sich teilweise.
- Powell et al. 2008 (8 Reitpferde): Zwischen 15 und 20 % zeigten sich kaum Unterschiede, deutliche Effekte erst bei 25–30 %. Pferde mit breiterer Lende und dickerem Röhrbein reagierten weniger.
- Dyson et al. 2020 (Pilotstudie, 6 Pferde): Alle 13 Ritte der beiden schwersten Reitenden wurden abgebrochen, meist wegen vorübergehender Lahmheit. Ihr Körpergewicht allein entsprach 15,3–27,5 % des Pferdegewichts. Bei der moderat schweren Reiterin endete 1 von 12 Ritten vorzeitig.
- Christensen et al. 2020 (20 Reiter-Pferd-Paare): Bei Gesamtlasten bis 15–23 % und einer gut fünfminütigen Dressuraufgabe zeigten sich keine Kurzzeit-Effekte – laut der Studie nicht auf intensivere Arbeit übertragbar.
- Stefánsdóttir et al. 2017 (8 Isländer): Im kurzen Tölt-Test arbeiteten die Pferde im Mittel bis 22,7 % überwiegend aerob, einzeln bei 17,0–27,5 %. Das hing mit dem Body Condition Score am Rücken zusammen, nicht mit Größe oder Gewicht.
Röhrbein und Widerrist: zwei grobe Zusatzmaße
Laut TVT spielt das Körpergewicht für die Tragfähigkeit nur eine untergeordnete Rolle; Lendenbreite und Röhrbeinumfang geben einen besseren Eindruck. Grenzwerte gibt es dafür nicht, deshalb ändern diese Maße die Einordnung des Rechners nicht.
Der Röhrbeinbelastungsindex (RI) ist der Röhrbeinumfang in cm × 100 ÷ Körpergewicht in kg. Je höher er ist, desto stabiler gilt das Fundament. Kräftige Robustponys liegen laut TVT bei 4,5–6. Die TVT nimmt an, dass mindestens 20 cm Röhrbeinumfang je 450 kg für gute Trageigenschaften sprechen, das entspricht einem RI von etwa 4,4. Weil das Gewicht im Nenner steht, haben kleine Pferde rechnerisch höhere Werte – vergleiche also nur mit ähnlich schweren Pferden.
| Rasse | RI | Gewicht | Röhrbein |
|---|---|---|---|
| Minishetland-Pony | 9,5 | 120 kg | 11,4 cm |
| Shetland-Pony | 7,4 | 190 kg | 14,0 cm |
| Welsh B | 4,8 | 330 kg | 16,0 cm |
| Huzule | 4,9 | 350 kg | 17,3 cm |
| Konik | 4,3 | 370 kg | 16,0 cm |
| Deutsches Reitpony | 4,5 | 380 kg | 17,0 cm |
| Islandpferd | 4,7 | 380 kg | 18,0 cm |
| Highland-Pony | 5,4 | 400 kg | 21,5 cm |
| Norweger | 4,4 | 420 kg | 18,5 cm |
| Pasopferd | 3,8 | 440 kg | 16,7 cm |
| Arabisches Vollblut | 4,1 | 450 kg | 18,3 cm |
| Achal-Tekkiner | 4,1 | 450 kg | 18,6 cm |
| Kabardiner | 4,2 | 450 kg | 18,9 cm |
| Fell-Pony | 4,9 | 450 kg | 22,0 cm |
| Englisches Vollblut | 4,4 | 460 kg | 20,3 cm |
| Quarterhorse | 3,9 | 470 kg | 18,2 cm |
| Haflinger | 3,6 | 520 kg | 18,8 cm |
| Knabstrupper | 3,4 | 560 kg | 19,0 cm |
| Württemberger | 3,4 | 590 kg | 20,0 cm |
| Bayrisches Warmblut | 3,6 | 600 kg | 21,5 cm |
| Hannoveraner | 3,7 | 600 kg | 22,0 cm |
| Trakehner | 3,1 | 650 kg | 20,0 cm |
| Süddeutsches Kaltblut | 3,0 | 770 kg | 23,0 cm |
| Litauisches Kaltblut | 3,2 | 800 kg | 25,7 cm |
Die Faustformel nach Widerristhöhe lautet: Widerristhöhe in cm − 100 + 30 = maximale Gesamtlast in kg. Ein Warmblut mit 165 cm Stockmaß käme so auf 95 kg. Die Formel kennt nur die Höhe, nicht das Gewicht. Das Deutsche Tierärzteblatt beschreibt sie für Warmblüter, für Ponys und Kleinpferde ist sie laut TVT nur bedingt übertragbar. Ein Stockmaß in Hand rechnest du mit dem Stockmaß-Umrechner um.
So entlastest du dein Pferd
- Sattel prüfen lassen: Mit einem unpassenden Sattel ist jede reitende Person zu schwer, schreibt der VFD. Lass die Passform für Pferd und dich regelmäßig prüfen, auch nach Gewichtsveränderungen. Ein leichterer Sattel und weniger Gepäck schaffen zusätzlich Spielraum.
- Sitz und Fitness trainieren: Laut SVPS stört eine fitte, koordinierte Person das Pferd weniger als eine leichtere, aber unausbalancierte.
- Tragemuskulatur aufbauen: Bodenarbeit und Longieren in Vorwärts-Abwärts-Haltung stärken den Rücken ohne Reitergewicht.
- Arbeit anpassen: mehr Schritt, kürzere Einheiten, moderates Tempo. Laut TVT verträgt sich höheres Gewicht eher mit moderater Ausdauerarbeit als mit kurzer, intensiver Belastung; im Galopp wirkt die Gewichtskraft laut VFD bis etwa dreifach.
- Offen über Passung sprechen: Kläre bei Reitbeteiligung oder Pferdekauf früh, ob Gewicht und Pferdetyp zusammenpassen. Den Preis einer Reitbeteiligung rechnest du mit dem Reitbeteiligung-Rechner aus.
Wann der Rechner nicht reicht
Das Ergebnis ist keine Erlaubnis und kein Verbot. Auch im grünen Bereich kann ein Pferd überfordert sein. Nicht berücksichtigt sind Sattelpassform, Sitz, Balance und Größe der reitenden Person, Lendenbreite, Tempo, Dauer der Arbeit, Boden und Trächtigkeit. Für Fahren, Voltigieren, Packpferde, Pferde in der Reha und im Anreiten gilt die Rechnung nicht.
Eine gesetzliche Gewichtsgrenze ist uns für Deutschland nicht bekannt, in der Schweiz gibt es laut SVPS keine. § 3 des Tierschutzgesetzes verbietet aber, einem Tier Leistungen abzuverlangen, denen es wegen seines Zustandes offensichtlich nicht gewachsen ist oder die offensichtlich seine Kräfte übersteigen. „Tierschutzwidrig“ ab 25 % ist eine fachliche Bewertung der TVT, keine gesetzliche Grenze.