So rechnet der BCS-Rechner
Der Body Condition Score (BCS) beschreibt die Fettreserven deines Pferdes auf einer Skala von 1 (ausgehungert) bis 9 (extrem fett). Du bewertest sechs Körperregionen einzeln, in ganzen oder halben Stufen. Der Rechner bildet daraus den Mittelwert und rundet auf eine Nachkommastelle:
BCS = Summe der sechs Regionen ÷ 6
Ein Beispiel: Hals 6, Widerrist 6, Rücken 7, Schweifansatz 7, Rippen 6 und hinter der Schulter 6 ergeben 38 ÷ 6 = 6,33. Angezeigt wird 6,3 – knapp über dem Richtbereich von 5–6, also leicht erhöht.
Henneke und Kollegen vergaben 1983 eine Gesamtnote. Regionen einzeln zu bewerten und zu mitteln, ist eine verbreitete Praxisvariante; bei Kienzle & Schramme ist der Gesamtscore genau so festgelegt. Liegen deine Regionen 3 Punkte oder mehr auseinander, weist der Rechner dich darauf hin – eine Gesamtnote kann dann höher ausfallen als der Mittelwert.
Henneke oder Kienzle & Schramme?
Henneke ist der internationale Standard und die Voreinstellung des Rechners. Das System entstand an Quarter-Horse-Stuten und bewertet Hals, Widerrist, Rücken, Schweifansatz, Rippen und den Bereich hinter der Schulter. Grenzwerte für Übergewicht und Studien zum Fettkamm beziehen sich auf diese Skala. Die Stufen je Region im Rechner sind aus Hennekes Gesamttabelle abgeleitet.
Kienzle & Schramme (LMU München) wurde für erwachsene Warmblüter entwickelt und bewertet Hals, Schulter, Rücken, Brustwand, Hüfte und Schweifansatz. Bei dünnen Pferden zählt die Bemuskelung, bei gut genährten nur das Fett unter der Haut. In der Untersuchung der Entwicklerinnen wichen Ungeübte damit im Mittel 0,3–0,4 Punkte von der Expertin ab, mit Henneke 0,8. Für Ponys, Kaltblüter, Barock- und Westernpferde sowie Tinker ist das System nicht geprüft; der Rechner schlägt es deshalb nur für Warmblüter vor.
Vergleiche Werte nur innerhalb einer Methode: Gut genährte Warmblüter stufte Henneke in Schrammes Vergleich mindestens einen Punkt niedriger ein.
So bestimmst du den Body Condition Score
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Stell dein Pferd entspannt und gerade auf ebenen Boden, am besten bei Tageslicht. Fotografiere Seite und Hinterhand immer aus derselben Position, dann siehst du später den Verlauf.
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Erst schauen, dann tasten. Sieh dir dein Pferd von der Seite und von hinten an. Im Winterfell zählt vor allem das Tasten.
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Taste mit flacher Hand und den Fingerkuppen, drück leicht und streich. Spürst du Knochen? Ist das Gewebe fest, schwammig oder weich? Lässt sich eine Hautfalte bilden?
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Rippen fühlen: Streich mit flachen Fingern über die Rippen, am besten auf der Linie Buggelenk–Hüfthöcker – dort liegt am wenigsten Muskulatur. Bei Stufe 5 sind die Rippen nicht sichtbar, aber leicht fühlbar.
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Den Hals siehst du dir von der Seite an: eingefallen, gerade oder gewölbt? Für die Kammfett-Messung nach Kienzle & Schramme senkt dein Pferd den Kopf, etwa zur Futterschüssel am Boden; der Rechner schlägt aus der Höhe eine Stufe vor. Für den Fettkamm (Cresty Neck Score) umfasst du den Mähnenkamm mit einer Hand und biegst ihn seitlich.
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Den Bauch bewertest du nicht: Sein Umfang hängt von Darmfüllung und Bauchmuskeln ab. Auch eine gespaltene Kruppe zeigt Muskulatur, kein Fett.
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Liegen die Regionen weit auseinander, taste die Ausreißer noch einmal ab. Ideal ist eine zweite, unabhängige Bewertung.
Body-Condition-Score-Tabelle: Stufe 1 bis 9
Die Henneke-Skala in Kurzform, praktisch als Gegenprobe:
- 1
- Ausgehungert. Extrem abgemagert. Dornfortsätze, Rippen, Schweifansatz, Hüft- und Sitzbeinhöcker stehen stark hervor, kein Fett fühlbar.
- 2
- Sehr dünn. Abgemagert, nur dünne Fettschicht an der Basis der Dornfortsätze, Knochenvorsprünge deutlich.
- 3
- Dünn. Rippen und Wirbelsäule gut sichtbar, Widerrist, Schulter und Hals betont.
- 4
- Mäßig dünn. Wirbelsäule als leichter Grat, Rippenkontur schwach erkennbar.
- 5
- Normal. Rücken eben, Rippen nicht sichtbar, aber leicht fühlbar. Hals und Schulter gehen fließend in den Rumpf über.
- 6
- Mäßig dick. Eventuell leichte Rinne am Rücken, Fett über den Rippen schwammig.
- 7
- Dick. Rinne möglich, Zwischenräume der Rippen deutlich mit Fett gefüllt, Fett an Widerrist, hinter der Schulter und am Hals.
- 8
- Fett. Rinne am Rücken, Rippen schwer fühlbar, Hals deutlich verdickt.
- 9
- Extrem fett. Deutliche Rinne, Fettpolster über den Rippen, Fettwülste am Hals, am Widerrist, hinter der Schulter und um den Schweifansatz.
Ist mein Pferd zu dick oder zu dünn? So ordnest du den BCS ein
Für die meisten Pferde gilt ein BCS von 5–6 als Richtbereich. Ab 7 gilt ein Pferd als übergewichtig, ab 8 als adipös. Werte von 4 bis unter 5 sind bei trainierten Sportpferden teils üblich.
Ein zu dünnes Pferd erkennst du daran, dass Rippen und Wirbelsäule gut sichtbar sind (Stufe 3). Übergewicht erkennst du an Fett, das die Zwischenräume der Rippen deutlich füllt und sich am Widerrist, hinter der Schulter und am Hals ablagert (Stufe 7); am Rücken kann sich eine Rinne bilden.
| BCS | Einordnung |
|---|---|
| unter 3 | Sehr dünn |
| 3 bis unter 4 | Zu dünn |
| 4 bis unter 5 | Schlank |
| 5 bis 6 | Richtbereich |
| über 6 bis unter 7 | Leicht erhöht |
| 7 bis unter 8 | Übergewichtig |
| ab 8 | Adipös |
Je nach Einsatz empfehlen Kienzle & Schramme unterschiedliche Ziele. Wählst du unter „Weitere Angaben“ den Einsatz, zeigt der Rechner den passenden Zielbereich. Spring-, Vielseitigkeits- und Distanzpferde fasst er zu 5–5,5 zusammen.
| Einsatz | Ziel-BCS |
|---|---|
| Freizeit / allgemein | 5–6 |
| Springen, Vielseitigkeit | 5 |
| Distanz | 5–5,5 |
| Dressur | bis 6 |
| Zuchtstute | 6 |
Abweichungen bis etwa 0,5 Punkte sind normale Bewertungsungenauigkeit. Die Grenzen 7 und 8 stammen aus Studien mit der Henneke-Skala, eine einheitliche Definition für Adipositas gibt es nicht.
Fettkamm: Was zeigt der Cresty Neck Score?
Den Fettkamm bewertest du zusätzlich mit dem Cresty Neck Score (CNS) von 0 bis 5, 2009 von Carter und Kollegen an der Virginia Tech eingeführt. Er erfasst Fett am Mähnenkamm unabhängig vom Gesamt-BCS. Ab 3 spricht man von einem ausgeprägten Fettkamm.
In einer kleinen Studie mit 26 Ponys ging ein CNS ab 3 mit einer etwa fünffach höheren Chance auf eine Insulindysregulation einher, bei großer statistischer Unsicherheit. In einer Pony-Herde war ein CNS ab 4 ein Vorhersagefaktor für spätere weidebedingte Hufrehe. Ob eine Stoffwechselstörung wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS) vorliegt, lässt sich nur mit Bluttests feststellen – und EMS kommt auch bei schlanken Pferden vor. Der Fettkamm schwankt mit der Jahreszeit: In einer britischen Studie hatten am Ende des Winters 45,8 % der Pferde einen CNS ab 3, am Ende des Sommers 33,3 %.
Übergewicht früh erkennen und das Abnehmen kontrollieren
- Bewerte regelmäßig über das ganze Jahr – Fettkamm und Übergewicht schwanken mit der Jahreszeit.
- Viele Besitzer schätzen ihr Pferd anders ein als Tierärzte. Ein fester Ablauf Region für Region hilft gegen Betriebsblindheit.
- Zum Kontrollieren beim Abnehmen taugt der BCS nur grob: Oberhalb von 7 bildet er Veränderungen im Körperfett kaum ab. Wiege dein Pferd oder miss den Brustumfang, etwa mit dem Pferdegewicht-Rechner. Eine Abnahme von 0,5–1 % pro Woche entspricht bei einem durchschnittlichen Warmblut nur etwa 0,5–1 cm Brustumfang, also weniger, als das Maßband sicher unterscheidet. Miss deshalb immer unter gleichen Bedingungen und bewerte den Trend über mehrere Wochen.
- Die Ration prüfst du mit dem Futterrechner und dem Heubedarf-Rechner. Größere Umstellungen besprichst du am besten mit deinem Tierarzt.
Wann brauchst du tierärztlichen Rat?
Beide Systeme wurden an erwachsenen Pferden entwickelt. Bei Jungpferden im Wachstum ist das Ergebnis nur eine grobe Orientierung. Bei hochtragenden Stuten wirkt die Fettauflage an Rücken, Rippen und Schweifansatz geringer. Bei einem Senkrücken, häufig im Alter, ist vor allem die Rückenregion nur eingeschränkt aussagekräftig. Unter „Weitere Angaben“ kannst du Trächtigkeit und Senkrücken angeben, der Rechner zeigt dann passende Hinweise. Mit dem Alter steigt außerdem das Risiko für Übergewicht; in welcher Lebensphase dein Pferd steckt, zeigt der Pferdealter-Rechner.
Der Rechner stellt keine Diagnose, gibt keine Futtermengen aus und rechnet den BCS nicht in Kilogramm um – dafür gibt es keine belastbare Faustregel.